Mahnmal zur Mühlviertler Menschenjagd

Gestaltet im Jahr 2015 von Herbert Friedl.

Weithin sichtbar, hoch aufgerichtet am Hügel des Kalvarienberges Wartberg, das Mahnmal zur Erinnerung an die „Mühlviertler Menschenjagd“. Obwohl schlicht gestaltet, beinhaltet dieser Gedenkort vielfache Symbolkraft.

Tief im Boden verankert eine Reihe von drei Glaspaneelen – Verwurzelung des Menschen im Lebens-Urgrund. Glas als Zeichen für die Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit menschlichen Lebens.

Diese Glastafeln sind mit Holzschnitten bedruckt und zeigen fragmentarisch Teile eines Kreuzes, über das sich Häftlingskleidung zieht, gleich einer Kreuzigungsgruppe – auf diese Weise wurde den Menschen ihre Würde genommen. So geschehen bei der „Mühlviertler Menschenjagd“.

Eingefasst sind diese Tafeln von Granitwürfeln, in Form einer Ellipse. Inmitten der Spannungslinie zweier Brennpunkte werden diese Glastafeln in den Fokus des Betrachters gerückt.

Granitsteine – Symbol für die Arbeit in den Granitsteinbrüchen in Gusen und Mauthausen. Hier wurden Menschen durch Arbeit getötet.
Auf die Mitte des Mahnmals zu führt ein gepflasterter Weg, in dem eine gläserne Tafel eingelassen ist:

„DIE WICHTIGSTE STUNDE IST IMMER DIE
GEGENWART, DER BEDEUTENDSTE MENSCH
IMMER DER, DER DIR GEGENÜBER STEHT,
UND DAS NOTWENDIGSTE WERK IST IMMER
DIE ACHTUNG VOR DEM MENSCHEN.“
Nach Meister Eckhart, 1260 – 1328

500 HÄFTLINGE SIND GEFLOHEN,
11 HABEN ÜBERLEBT.
DEN OPFERN DER MENSCHENJAGD
VOM FEBRUAR 1945 … ZUM GEDÄCHTNIS


Der Text weist einerseits auf das tragische Geschehen hin, andererseits regt er zum Nachdenken über menschliches Handeln an.
Auf Grund der Transparenz der Glastafeln bleiben die Blicke frei auf die Orte und Landschaft dieses grausamen Geschehens – Vergangenes verbindet sich mit Gegenwärtigem, führt den Betrachter in stilles Ge- und Bedenken.

(Brigitte Friedl, Februar 2025)

Zeitzeugenfilm der Gemeinde Wartberg ob der Aist

Im Film "...ich habe ihn ja nicht sehen müssen..." werden anhand von sechs Interviews mit ZeitzeugInnen aus Wartberg ob der Aist die dramatischen Ereignisse im Februar 1945 erzählt, als mehr als 500 sowjetische KZ-Häftlinge aus dem KZ Mauthausen ausbrachen und einige davon auf ihrer Flucht auch bis Wartberg kamen.

Bis auf 11 Überlebende wurden alle anderen im Rahmen der berüchtigten „Mühlviertler Menschenjagd" ermordet.

Der Film erzählt von Angst und Mut, von Grausamkeit und Unmenschlichkeit, aber auch von Mitleid und Mitmenschlichkeit.

ZeitzeugInnen: Gottfried Albert, Gisela Franz, Josef Grubmüller, Franz Kiesenhofer, Josef Prammer und Aloisia Wiesinger

Projekt-Team: Andreas Baumgartner & Michaela Hoyos
Projektkoordination: Josef Bauer
Sprecherin im Film: Konstanze Breitebner

Ein Projekt des Sozialwissenschaftlichen Forschungsbüros

Altersempfehlung: Ab 12 Jahren mit Vor- und Nachbereitung

Das Jahr 1945 und die Mühlviertler Menschenjagd in der Gemeinde Wartberg ob der Aist

Autor: Wulf Struck

In gut lesbarer Form und historisch fundiert stellt der Autor Wulf Struck die Ereignisse der sogenannten „Mühlviertler Hasenjagd“ in der Gemeinde Wartberg dar. Zur Einordnung wird anfangs die gesellschaftliche Situation in der Gemeinde beschrieben und zusätzlich ein Überblick über relevante Ereignisse der Gemeindegeschichte im Jahr 1945 gegeben. Viele Bilder und Zeitzeugenberichte machen die historischen Ereignisse leichter nachvollziehbar.

Ein Teil der „Mühlviertler Hasenjagd“, also die Verfolgung der im Februar 1945 aus dem KZ Mauthausen ausgebrochenen meist sowjetischen Offiziere, fand auch in Wartberg statt. Man muss von über 20 ermordeten Menschen auf heutigem Wartberger Gemeindegebiet ausgehen. Dabei sind in Wartberg auch Zivilisten und Jugendliche zu Tätern geworden.

Für die Bevölkerung gab es Handlungsspielraum. Während einige aktiv die Verfolgung und Tötung betrieben haben, haben andere versucht die Verfolgten zu unterstützen und Leben zu retten. Dies geschah in einem angespannten gesellschaftlichen Klima. Hilfsbereitschaft war oft mit der Gefahr der Selbstgefährdung verbunden. Letztendlich werden sich die Motive der Täter für das Überschreiten humanitärer Grenzen nicht klären lassen, aber es werden Beweggründe deutlich.

Zur Lektüre Download hier

Die Publikation kann auch in gedruckter Form beim Autor bezogen werden (Druckkostenbeitrag und Porto). Mail an: wartberg1945@gmail.com
Ergänzungen, Anmerkungen und Rückmeldungen zur Publikation gerne an diese Adresse.

Nie wieder! - 81 Jahre Mühlviertler Menschenjagd

Artikel 1 der allgemeinen Erklärung der Menschrechte:
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.”

Ein Text der Gedenkveranstaltung zur Mühlviertler Menschenjagd in Wartberg ob der Aist am 2. Februar 2026:

Eine Ermutigung
„Die allgemeine politische Situation im In- und Ausland lässt bei vielen die Hoffnungen auf eine solidarischer-werdende Welt schwinden.

Autokratische und andere Regime, und auch schon deren Vorkämpfer, arbeiten mit dem Schüren der Angst, der Spaltung und Isolation.

Sie wollen erreichen, dass die Menschen mutlos werden, sich zurückziehen und vereinzeln, dass sie mundtot werden und nicht mehr klar Stellung für Demokratie, Menschrecht und Völkerrecht beziehen.

Dagegen möchten wir hier und jetzt ein Zeichen der Verbindung setzen.

Sich miteinander für eine solidarische mitmenschliche Welt einzusetzen gibt Kraft und ermutigt.

Deshalb: Verbinden wir uns bewusst im Kleinen wie im Großen.

Lassen wir uns nicht spalten, auch wenn es in einzelnen, oft nebensächlichen Fragen, unterschiedliche Meinungen gibt. Menschenrecht und Völkerrecht haben in einem demokratischen Miteinander die beste Grundlage.

Der UNO-Hochkommissar Volker Türk, also der höchste Beamte der UNO hat in den letzten Tagen in einem Interview gesagt:

Hoffnung gibt ihm auch der „unglaubliche Enthusiasmus, eine Begeisterung von jungen Menschen auf der ganzen Welt, die sich für (...) Freiheiten einsetzen, die sich für Menschrechte einsetzen und die das auch als Teil ihrer Identität verstehen.“

Wir sind also nicht allein - nicht hier in Wartberg - und nicht auf der Erdkugel.

Lassen wir uns nicht in den persönlichen Rückzug treiben. Bleiben wir miteinander aktiv.

Mahnmal (Copyright: Martin Korczynski)

Nie wieder! - 80 Jahre Mühlviertler Menschenjagd

Am 80. Jahrestag der „Mühlviertler Menschenjagd“, dem 2. Februar 2025, folgten 250 Personen der Einladung der Gemeinden der Region Untere Feldaist (RUF) zu einer gemeinsamen Gedenkfeier. Im dicht besetzten Saal des Wartberger Veranstaltungszentrums wurde der Menschen gedacht, die von Soldaten und Zivilpersonen auf der Flucht aus dem damaligen Konzentrationslager Mauthausen getötet worden waren. In den Redebeiträgen kamen die Notwendigkeit von Zivilcourage und des Wissens um die Vergangenheit zur Sprache sowie die Freiheit, sich in schwierigen Situationen nach seinem Gewissen entscheiden zu können.

Regisseur Andreas Gruber wies darauf hin, dass es nicht selbstverständlich sei, in einer offenen Gesellschaft und liberalen Demokratie zu leben. „Es ist schon ein erschreckender Zynismus, dass es bei den Hass-Parolen, die in Bierzelten gebrüllt werden, vermeintlich um Sicherheit und Stabilität gehen soll. In Wirklichkeit bewirken sie das Gegenteil und beschädigen gezielt das demokratische System, um es letztendlich zu entsorgen und autoritäre Verhältnisse zu etablieren.“ Am Ende seiner Gedenkrede sagte er angesichts der aktuellen politischen Ereignisse: „Wir müssen jetzt aufstehen, bevor es zu spät ist.“

Schüler:innen der Mittelschule Pregarten stellten mit ihren Collagen, die im Rahmen eines Schulprojekts entstanden waren, die Forderungen: „Nie wieder Krieg“, „Stoppt die Waffenproduktion“, „Schützt die Demokratie“, „Stoppt Ausgrenzung und Verfolgung“, „Schützt unsere Welt“ und „Gleichberechtigung“.

Die Besucher:innen der Veranstaltung erfuhren auch, welchen Beitrag die HTL Perg zu dieser Feier schon im Vorfeld geleistet hatte. Schüler:innen hatten im Rahmen eines Gestaltungs-Wettbewerbs das Plakat zur Gedenkfeier entworfen und diese Webseite programmiert. Auch inhaltlich waren in den vergangenen Monaten die Themen „Nationalsozialismus“ und „Mühlviertler Menschenjagd“ im Unterricht in allen Klassen der HTL behandelt worden.

An der Gedenkfeier, die von Elke Korczynski und Christine Grüll organisiert wurde, nahmen u. a. die Bürgermeister von Hagenberg, Pregarten, Wartberg und Unterweitersdorf teil sowie zahlreiche junge Musiker:innen. Severin Renoldner und Franz Pirklbauer intonierten das „Lied der Lieder“ aus der Mauthausen-Kantate von Mikis Theodorakis.

Der Abschluss der Gedenkfeier mit der Verlesung des Mauthausen Schwurs fand in der Abenddämmerung beim Mahnmal “Mühlviertler Menschenjagd” auf dem Kalvarienberg statt.

Gedenkveranstaltung - Nie wieder!
80 Jahre Mühlviertler Menschenjagd



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