Den Opfern der Menschenjagd vom Februar 1945 zum Gedächtnis.
Gestaltet im Jahr 2015 von Herbert Friedl.
Weithin sichtbar, hoch aufgerichtet am Hügel des Kalvarienberges Wartberg, das Mahnmal zur Erinnerung an die „Mühlviertler Menschenjagd“. Obwohl schlicht gestaltet, beinhaltet dieser Gedenkort vielfache Symbolkraft.
Tief im Boden verankert eine Reihe von drei Glaspaneelen – Verwurzelung des Menschen im Lebens-Urgrund. Glas als Zeichen für die Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit menschlichen Lebens.
Diese Glastafeln sind mit Holzschnitten bedruckt und zeigen fragmentarisch Teile eines Kreuzes, über das sich Häftlingskleidung zieht, gleich einer Kreuzigungsgruppe – auf diese Weise wurde den Menschen ihre Würde genommen. So geschehen bei der „Mühlviertler Menschenjagd“.
Eingefasst sind diese Tafeln von Granitwürfeln, in Form einer Ellipse. Inmitten der Spannungslinie zweier Brennpunkte werden diese Glastafeln in den Fokus des Betrachters gerückt.
Granitsteine – Symbol für die Arbeit in den Granitsteinbrüchen in Gusen und Mauthausen. Hier wurden Menschen durch Arbeit getötet.
Auf die Mitte des Mahnmals zu führt ein gepflasterter Weg, in dem eine gläserne Tafel eingelassen ist:
„DIE WICHTIGSTE STUNDE IST IMMER DIE
GEGENWART, DER BEDEUTENDSTE MENSCH
IMMER DER, DER DIR GEGENÜBER STEHT,
UND DAS NOTWENDIGSTE WERK IST IMMER
DIE ACHTUNG VOR DEM MENSCHEN.“
Nach Meister Eckhart, 1260 – 1328500 HÄFTLINGE SIND GEFLOHEN,
11 HABEN ÜBERLEBT.
DEN OPFERN DER MENSCHENJAGD
VOM FEBRUAR 1945 … ZUM GEDÄCHTNISInschrift am Mahnmal
Der Text weist einerseits auf das tragische Geschehen hin, andererseits regt er zum Nachdenken über menschliches Handeln an.
Auf Grund der Transparenz der Glastafeln bleiben die Blicke frei auf die Orte und Landschaft dieses grausamen Geschehens – Vergangenes verbindet sich mit Gegenwärtigem, führt den Betrachter in stilles Ge- und Bedenken.
(Brigitte Friedl, Februar 2025)
Im Film „...ich habe ihn ja nicht sehen müssen...“ werden anhand von sechs Interviews mit ZeitzeugInnen aus Wartberg ob der Aist die dramatischen Ereignisse im Februar 1945 erzählt, als mehr als 500 sowjetische KZ-Häftlinge aus dem KZ Mauthausen ausbrachen und einige davon auf ihrer Flucht auch bis Wartberg kamen.
Bis auf 11 Überlebende wurden alle anderen im Rahmen der berüchtigten „Mühlviertler Menschenjagd“ ermordet.
In gut lesbarer Form und historisch fundiert stellt der Autor Wulf Struck die Ereignisse der sogenannten „Mühlviertler Hasenjagd“ in der Gemeinde Wartberg dar. Zur Einordnung wird anfangs die gesellschaftliche Situation in der Gemeinde beschrieben und zusätzlich ein Überblick über relevante Ereignisse der Gemeindegeschichte im Jahr 1945 gegeben. Viele Bilder und Zeitzeugenberichte machen die historischen Ereignisse leichter nachvollziehbar.
Ein Teil der „Mühlviertler Hasenjagd“, also die Verfolgung der im Februar 1945 aus dem KZ Mauthausen ausgebrochenen meist sowjetischen Offiziere, fand auch in Wartberg statt. Man muss von über 20 ermordeten Menschen auf heutigem Wartberger Gemeindegebiet ausgehen. Dabei sind in Wartberg auch Zivilisten und Jugendliche zu Tätern geworden.
Für die Bevölkerung gab es Handlungsspielraum. Während einige aktiv die Verfolgung und Tötung betrieben haben, haben andere versucht die Verfolgten zu unterstützen und Leben zu retten. Dies geschah in einem angespannten gesellschaftlichen Klima. Hilfsbereitschaft war oft mit der Gefahr der Selbstgefährdung verbunden. Letztendlich werden sich die Motive der Täter für das Überschreiten humanitärer Grenzen nicht klären lassen, aber es werden Beweggründe deutlich.
Die Publikation kann auch in gedruckter Form beim Autor bezogen werden (Druckkostenbeitrag und Porto). Mail an: wartberg1945@gmail.com
Ergänzungen, Anmerkungen und Rückmeldungen zur Publikation gerne an diese Adresse.
Texte, Reden und Fotos der bisherigen Gedenkveranstaltungen „Nie wieder!“ zur Mühlviertler Menschenjagd.